Im Gruppenchat
Ein Tisch für acht am Samstag
Der Chat hieß „Wiedersehen???“ und lief seit vier Tagen. Britta scrollte ihn in der Straßenbahn auf dem Heimweg durch. Montag: „Wir müssten echt mal was machen.“ Dienstag: elf Nachrichten zu der Frage, ob italienisch nicht zu schwer sei. Mittwoch: das Foto von irgendjemandes Hund. Heute hatte Steffi geschrieben: „Mir passt ehrlich jeder Tag, wie ihr wollt“, womit es sechs Leute waren, die wollten, was alle wollten.
Britta stieg eine Station früher aus, damit sie im Gehen tippen konnte. Sie legte eine Umfrage mit zwei Terminen an und schrieb darunter: „Abstimmung endet heute um neun. Die Mehrheit gewinnt. Ich reserviere.“ Um halb neun hatten fünf für den 14. gestimmt. Meike hatte nicht abgestimmt. Um 21:01 Uhr rief Britta in dem georgischen Lokal am Fluss an, dem mit dem Käsebrot, und reservierte für acht Personen um 19:30 Uhr. Dann schrieb sie: „Erledigt. Samstag, der 14., 19:30, Tisch auf meinen Namen. Wer nicht kann, sagt mir bis Donnerstag Bescheid, die brauchen die endgültige Zahl.“ Elf Minuten hatte das gedauert. Warum es dafür vier Tage gebraucht hatte, konnte sie nicht begreifen.
Daumen, Herzen, „du hast uns gerettet“. Dann Meike: „Jawohl, Chefin.“ Und ein salutierendes Gesicht. Britta blieb auf dem Gehweg stehen. Es war ein Scherz. Wahrscheinlich war es ein Scherz. Meike hatte allerdings auch nicht abgestimmt und bekam jetzt einen Samstag, den sie sich nicht ausgesucht hatte. Britta fing an zu tippen: „Einer musste es ja machen“, was zutraf, und sah es sich an. Sie dachte an das letzte Treffen, bei dem Meike früh gegangen war und keiner gefragt hatte, warum.
Sie löschte die Zeile und schrieb Meike direkt: „Passt dir der 14. denn wirklich? Du hast nicht abgestimmt. Wenn Samstag schlecht ist, weiß ich das lieber jetzt als am Donnerstag.“ Es las sich immer noch ein bisschen wie eine Kontrolle. Sie schickte es trotzdem ab. „Samstag ist okay“, antwortete Meike. „Ich hab es nur satt, dass Pläne mir einfach passieren. Aber reserviert hätte ich auch nie, also. Danke.“
„Dann suchst du aus, wo wir danach hingehen“, schrieb Britta. „Den Teil plane ich nicht.“ Das meinte sie ernst. Sie machte sich trotzdem eine private Notiz, am Freitag nachzusehen, ob Meike etwas ausgesucht hatte.