Im Gruppenchat
Die Schelle hinter der Maschine
Im Familienchat standen einundvierzig neue Nachrichten, als Steffen aus der Dusche kam. Er scrollte ganz nach oben. Die Waschmaschine seines Vaters hatte eine Pfütze auf dem Badezimmerboden hinterlassen, und seit acht Uhr morgens besprachen das seine Tante Karin, seine Schwester Kirsten und zwei Cousins. Karin meinte, die Maschine sei fünfzehn Jahre alt und gehöre ersetzt. Kirsten hatte drei lange Absätze darüber geschrieben, dass Papa nie um Hilfe bitte.
Steffen las das alles im Flur. Woher das Wasser kam, hatte niemand gesagt. Er tippte: „Papa, vorne oder hinten? Schick ein Foto vom Boden.“ Dann legte er das Handy aufs Regal und machte sich Eier.
Das Foto kam elf Minuten später, leicht verwackelt, in einer Ecke der Hausschuh seines Vaters. Wasser unter dem hinteren linken Fuß. Also nicht die Türdichtung. Wahrscheinlich der Ablaufschlauch oder die Schelle, die ihn hielt. Er fing an zu tippen: „Das ist eine Schelle, keiner muss was kaufen“, und löschte es, denn gesehen hatte er die Schelle noch nicht, und er lag ungern schriftlich falsch. Er schickte: „Nichts bestellen. Komme um 4.“
Kirsten schrieb ihm extra. „Er wischt diesen Boden seit einer Woche und sagt keinem was. Eine Woche, Steffen.“ Er las es zweimal. Es schien eine Angabe zum zeitlichen Verlauf zu sein, also antwortete er: „Dann ist das Leck langsam. Gutes Zeichen.“ Sie schickte einen einzelnen Punkt zurück. Er betrachtete den Punkt eine Weile und kam nicht dahinter, was der von ihm wollte.
Um vier kniete er hinter der Maschine, die Taschenlampe zwischen den Zähnen. Die Schelle war durchgerostet. Er ersetzte sie durch eine aus dem Glas in seinem Auto, ließ ein Kurzprogramm laufen und sah zu, wie der Schlauch trocken blieb. Sein Vater brachte Tee und stand in der Tür, auch er ohne viel zu sagen. Steffen machte ein Bild vom trockenen Boden, stellte es ohne Kommentar in den Chat und blieb zum Abendessen.